Steiermärkische Rechtsanwaltskammer
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Bürgschaft

Bürgin/Bürge ist, wer sich dazu verpflichtet, die Schuld einer/eines anderen zu bezahlen.

Eine Bürgschaft ist nur dann rechtswirksam, wenn sie schriftlich übernommen wird. Es gibt verschiedene Formen der Bürgschaft. Üblicherweise haftet die Bürgin / der Bürge nur dann, wenn die Hauptschuldnerin / der Hauptschuldner der Gläubigerin / dem Gläubiger gegenüber ihre/seine Schuld nicht erfüllt hat.
Wenn sich jemand allerdings als „Bürge und Zahler“ verpflichtet hat, steht es der Gläubigerin / dem Gläubiger frei, von Anfang an auf die Hauptschuldnerin / den Hauptschuldner, auf die Bürgin / den Bürgen oder auf beide zugleich zuzugreifen. Die Bürgin / der Bürge kann nur dann in Anspruch genommen werden, wenn die Hauptschuld noch besteht. Diese darf also weder bezahlt noch verjährt noch aus anderen Gründen erloschen sein.

Selbstverständlich hat die Bürgin / der Bürge, die/der die Forderung der Gläubigerin / des Gläubigers erfüllt hat, Anspruch darauf, das von ihr/ihm Geleistete von der Hauptschuldnerin / vom Hauptschuldner ersetzt zu bekommen.

Die Übernahme einer Bürgschaft sollte immer reiflich überlegt werden.

Anwaltsleistungen

Ihre Rechtsanwältin / Ihr Rechtsanwalt wird zunächst den Sachverhalt mit Ihnen ausführlich erörtern. Sie/er wird von Ihnen insbesondere wissen wollen, unter welchen Umständen die Bürgschaft zustande gekommen ist. Sie/er wird die schriftlichen Unterlagen ebenso prüfen wie Ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse zum Zeitpunkt der Bürgschaftsübernahme.

Wenn sie/er zu dem Ergebnis kommt, dass die Bürgschaftsübernahme rechtswirksam ist, wird sie/er, wenn Sie nicht auf einmal zahlen können, mit Ihrer Bank eine Zahlungsvereinbarung aushandeln. Sollten allerdings Bedenken bezüglich der Wirksamkeit der Bürgschaft bestehen, wird sie/er den Anspruch der Bank zurückweisen oder einen Vergleichsvorschlag unterbreiten. Erforderlichenfalls wird sie/er Sie auch in einem von der Bank anhängig gemachten Gerichtsverfahren vertreten.

Eine junge Frau mit einer Ausbildung als Einzelhandelskauffrau, ohne Vermögen, arbeitslos und daher ohne Einkommen, übernimmt die Bürgschaft für den Kredit, den ihr Ehemann für sein neu zu errichtendes Fitnessstudio aufnehmen will: für Euro 100.000,--.

Bei der Unterfertigung des Kredites wird ihr erklärt, es handle sich nur um eine Formsache. Sie denkt nicht einmal im Entferntesten daran, dass das Projekt ihres Ehemannes schiefgehen könnte. Niemand hat ihr erklärt, dass sie in diesem Fall für Euro 100.000,-- einzustehen hat. Sie befürchtet auch, dass ihre Ehe in die Brüche geht, wenn sie nicht unterschreibt.

Das Unternehmen des Ehemannes scheitert, er geht in Konkurs, sie wird als Bürgin herangezogen. Mithilfe ihres Rechtsanwaltes gelingt es ihr, die Klage der Bank abzuwehren. Ihre finanzielle Situation zum Zeitpunkt der Bürgschaftsübernahme, ihre mangelnde Erfahrung im Wirtschaftsleben, die emotionelle Bindung an ihren Ehemann und nicht zuletzt die überlegene Position der Bank haben das Gericht davon überzeugt, dass die Bürgschaftsübernahme unwirksam war.

Weitere Informationen

Checkliste

Zum Besprechungstermin bei Ihrer Rechtsanwältin / Ihrem Rechtsanwalt nehmen Sie am besten mit:

  • Kreditvertrag
  • Grundbuchauszüge
  • Zusammenstellung der vorhandenen Vermögenswerte sowie
  • Einkommensunterlagen zum Zeitpunkt der Bürgschaftsübernahme